Realzins, der tatsächliche Wert?

Der Realzins ist die wichtigste Messlatte für eine Geldanlage. Doch in Zinsen versteckt sich eine ganze Reihe von verschiedenen Werten und Wirtschaftseinflüssen. Der Leitzins der EZB ist ein wichtiger Gangregler für Märkte und Finanzwirtschaft. Er findet eine Widerspiegelung in den Angeboten der Banken für Anlage- und Kreditzinsen. Diese Zinsen lassen sich noch weiter zerlegen in angebotenen Zinssatz (z.B. für Tagesgeld) und realen Geldwert (Zinsgewinn für Verbraucher). Der zweite Faktor ist der Realzins.

Die Darstellung vom Realzins ist dem realen Kostenfaktor für Wirtschafts- und Konsumgüter gegenüber dem geschriebenen Preis zu vergleichen. Der Preis einer Ware gewinnt seine eigentliche Aussage erst durch die Kaufkraft des Kunden. Ein niedriger Preis kann für den Kunden real hoch sein,
wenn seine Gelddecke nicht ausreichend ist. So müssen Zinsen immer im Zusammenhang mit der Inflationsrate gesehen werden. Ist die Inflationsrate sehr hoch, so bleibt auch von einem hohen Zinsangebot real für den Sparer nicht so viel übrig. Zum Beispiel würde sich bei einem ausgewiesenen Zins von 2 % für eine Sparanlage und einer Inflationsrate von 1 % ein Realzins von 1 % für den Anleger ergeben.

Das Problem für den Durchschnittsanleger beim Tagesgeld ist, dass er den Realzins nirgends in einem Angebot von Banken oder Zinsberechnungen finden wird. Er wird lediglich beim Ausgeben von Teilen seiner Tagesgeld Anlage merken, dass sie praktisch weniger wert sind, weil die Inflation die Preise hinauf getrieben hat. Dennoch ist der Realzins eine wichtige Messgröße für eine Geldanlage. Wird zu Zeiten einer niedrigen Inflationsrate ein niedriger Nominalzins geboten, so kann dies dennoch lohnend sein, weil der reale Wert, infolge des gesunkenen allgemeinen Preisniveaus, für den Sparer höher ist.

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Dieses Zinsgeschehen schwankt nicht in kurzen Abständen, sondern entwickelt sich zu normalen Zeiten recht langsam und übersichtlich. Nur in Krisenzeiten kann es zu plötzlichen, gravierenden Ausschlägen des Zinsbarometers kommen. Zeiten allgemein niedriger Zinsen sollten also kein Alarmzeichen sein, das Tagesgeld schnellstens in andere Anlagen umzuwandeln. Besser ist es, das Geld auf dem Tagesgeldkonto zu belassen. Da bei niedriger Inflationsrate in der Regel, zumindest zu Teilen auch bestimmte Güter günstiger sind, sind die realen Zinsen bei einer Abhebung durchaus lohnend

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